Warning: gethostbyaddr(): Address is not a valid IPv4 or IPv6 address in /DISK3/WWW/bruenn.org/todesmarsch/weblog.php on line 44 Das Deutsche Brünn und sein Ende


Die Vertreibung aus der Stadt der Väter
und der „Brünner Todesmarsch“

An vielen Orten in Böhmen und Mähren tobte nach der militärischen Kapitulation ungezügelte Gewalt gegen die deutsche Bevölkerung. Allen Opfern gilt unser Gedenken. Die Bronzetafel mit der Überschrift „Brünner Todesmarsch 1945“ wurde erstellt und angebracht zur Erinnerung an eine grausame ethnische „Säuberung“ mitten im Herzen Europas. Ein einzigartiges zeitnahes Dokument, nämlich der Bericht der britischen Journalistin Rhona Churchill, schildert diesen Vorgang so: „Hier zum Beispiel die Ereignisse des vergangenen Monats in BRÜNN, als junge Revolutionäre der tschechischen Nationalgarde beschlossen, die Stadt zu „säubern“: Kurz vor neun Uhr abends marschierten sie durch die Straßen und riefen alle deutschen Bürger auf, um neun vor ihren Häusern zu stehen, ein Gepäckstück in jeder Hand, bereit, die Stadt für immer zu verlassen. Den Frauen blieben zehn Minuten, die Kinder zu wecken, sie anzuziehen, ein paar Habseligkeiten zusammenzupacken und sich auf die Straße zu stellen. Hier mußten sie Schmuck, Uhren, Pelze und Geld den Nationalgardisten abgeben, dann wurden sie mit vorgehaltenem Gewehr in Richtung österreichische Grenze getrieben ...“ (veröffentlicht am 6. August 1945 in der britischen Zeitung Daily Mail)

Diese Säuberungsaktion geht auf eine direkte Aufforderung des damaligen Staatspräsidenten der Tschechoslowakei zurück. Kurz nach Kriegsende anläßlich seines Besuches in Brünn am 12. Mai 1945 hatte Edvard Beneš verkündetet: „... Wir werden unter uns Ordnung machen, insbesondere hier in der Stadt Brünn mit den Deutschen. Mein Programm ist, und ich verhehle es nicht, die deutsche Frage zu liquidieren. ...“ *)

Nur vier Tage später, am 16. Mai 1945, wird Edvard Beneš anläßlich seiner Ansprache am Altstädter Ring in Prag noch deutlicher: „Es wird erforderlich sein, die Anzahl der politischen Parteien gegenüber der Zeit vor dem Kriege zu reduzieren, das Verhältnis der Tschechen und Slowaken neu zu gestalten und die Deutschen in den böhmischen Ländern als auch die Ungarn in der Slowakei zu liquidieren, so wie sich die Liquidierung nur durchführen läßt ...“ *)

*Quelle: Edvard Beneš · Odsun Němců z Československa · Sammlung der Ansprachen · Histor. Institut der Karlsuniversität Prag

Angestaute Wut und Aggressivität der Tschechen war bereits in den letzten Kriegswochen sehr deutlich geworden. Nach Einmarsch der Roten Armee fühlten sich die Tschechen als Sieger. Das, was sie als Verletzung ihres Stolzes empfunden hatten, die Abtretung der sudetendeutschen Randgebiete und das aufgezwungene Protektorat, schien ihnen geheilt, aber nur zum Teil. Der Ruf nach Vergeltung, ja Rache, ertönte immer lauter, doch konnte sich diese nicht mehr gegen die Verursacher ihrer Leiden richten, denn die hatten sich zumeist längst ins Reichsgebiet abgesetzt. So richtete sich der Haß auf alles Deutsche, gegen die in der Stadt verbliebenen Frauen, Kinder und Greise, und erreichte ein unvorstellbares Maß an Brutalität. Die Deutschen wurden über Nacht rechtlos. Sie mußten weiße Armbinden tragen, und Repressalien, Einschränkungen und Verfolgungen nahmen zu. Prügeleien, öffentliche Vergewaltigungen deutscher Frauen und Mißhandlungen Deutscher waren an der Tagesordnung.


Ärztliche Versorgung wurde den Deutschen verweigert.

Der Gipfel der Verfolgungen und Demütigungen wurde am 30. Mai mit einer Verlautbarung des Landes-Nationalausschusses erreicht. Darin wurden alle Deutschen aufgefordert, sich binnen weniger Stunden, nur versehen mit dem, was sie tragen könnten, an bestimmten Sammelplätzen einzufinden. Nachdem die meisten die Nacht stehend verbracht hatten, wurden die Menschen erst von „Partisanen“ von allem befreit, was diesen wertvoll erschien, sodann aber in Marschkolonnen zusammengestellt und in Richtung österreichische Grenze getrieben. Dieser endlose Zug, zu dem auch noch die Einwohner aus fast allen deutschen Dörfern südlich von Brünn dazugetrieben wurden, bestand hauptsächlich aus Frauen (auch schwangeren), Kindern (auch Säuglinge und Kleinkinder) und alten Menschen. Denn deutsche Männer, die als arbeitsfähig bezeichnet wurden – die meisten befanden sich ohnehin noch bei der Wehrmacht – wurden in Zwangsarbeitslagern in und um Brünn festgehalten.

Naturgemäß verließen bereits nach kurzer Zeit viele Opfer dieser Vertreibung die Kräfte. Sie warfen als erstes ihr karges Eigentum weg und wurden, wenn sie zu Boden fielen, brutal mit Kolbenhieben traktiert oder blieben einfach im Straßengraben liegen. Man hörte oft Gewehrschüsse, wagte aber nicht, sich umzudrehen, weil dies ebenso wie Sprechen mit brutalen Schlägen geahndet wurde. Da und dort von Anwohnern angebotene Hilfe, Wasser oder gekochte Kartoffeln, wurde vom Begleitpersonal höhnisch verhindert, Eimer umgekippt, Helfer verjagt.

Viele Menschen starben vor Erschöpfung am Straßenrand. Sie verdursteten, da ihnen trotz der großen Hitze Wasser verweigert wurde, oder erhielten einen „Gnadenschuß“. Die sich weiter schleppen konnten, erreichten nach einem fürchterlichen Gewitter, durchnäßt, müde, durstig und hungrig das südmährische Städtchen Pohrlitz, wo in Scheunen und Fabrikhallen Schutz und Übernachtungsmöglichkeit gesucht wurde.

Diese Menschenmassen konnten wegen Gewalttätigkeiten, Schwäche, Streß und ausbrechenden Krankheiten nicht mehr weiter. So erlangte die Ortschaft Pohrlitz eine traurige Berühmheit. In den Feldern um diesen Ort sind in Massengräbern Hunderte von Toten, zumeist namenlos, verscharrt worden.

Die überwiegend alten Menschen, aber auch junge Frauen mit kleinen Kindern, wurden durch die begleitenden „Roten Gardisten“ geschlagen, ihrer Habe beraubt, vergewaltigt, hilflos zurückgelassen und willkürlich getötet. Nur wenigen gelang es am nächsten Tag, über die rettende österreichische Grenze zu entkommen. Und auch die Straße nach Wien ist gesäumt von Hunderten – ordentlicher – Gräber derer, die ihr Leben hier am Wegesrand lassen mußten.

Insgesamt wurden auf diese Weise etwa 25.000 Menschen aus ihrer Heimatstadt vertrieben. Die Zahl derjenigen, die den Todesmarsch, wie die Aktion später im Volksmund benannt wurde, nicht überlebten, belief sich auf etwa 10.000 Menschen.

Die aufhetzenden Reden des früheren und späteren Staatspräsidenten Beneš und seiner Genossen hatten in Brünn volle Wirkung gezeigt. Das jahrhundertelange Zusammenleben von Deutschen und Tschechen in der Stadt Brünn wurde rigoros und auf grausamste Art beendet.

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Die Gedenktafel ist nach der Grafik eines Brünner Künstlers erarbeitet.

Dipl.-Ing. Ernest Potuczek-Lindenthal, 1917 in Brünn geboren, studierte an der Brünner Deutschen Technischen Hochschule Architektur und diplomierte dort im Frühjahr 1939. Als Grafiker, der schon seit Kindheitstagen mit der Schere die feinsten Kunstwerke aus dem Papier zu schneiden gelernt hatte, schuf er 1970 die symbolhafte Darstellung „Brünner Totentanz“ zur Erinnerung und Mahnung an eines der schwersten Verbrechen der neuzeitlichen Geschichte Mitteleuropas.

Es zeigt den Elendszug; am Rande sind symbolhaft die Gewalttätigkeiten dargestellt, denen die entrechteten Bürger Brünns ausgesetzt waren.

EPL und Überlebende vor dem Viertafelbild in Schwäbisch-Gmünd

Eine Zeitzeugin in Schwäbisch Gmünd im Gespräch mit dem Künstler:
„Da vorne, da bin ja ich, da laufe ja ich!“

Das Mädchen an der Spitze des Zuges geht auf eine Zeitzeugin zurück, deren Erinnerung an diese schrecklichen Tage aussagt, daß sie, als Kind das Geschehen nicht begreifend, den Zug „anführte“.

Die Tafel besteht aus Bronze, sie wiegt 90 kg, die Ausmaße sind 72 × 174 cm. Sie wurde bei Rincker, einer seit mehr als 400 Jahren im Familienbesitz geführten Glockengießerei im hessischen Städtchen Sinn bei Wetzlar, gegossen nach dem von Dipl.-Ing. Markwart Lindenthal geformten Wachsmodell, in dem er die Grafik seines Vaters leicht modifizierte und zeitgerecht anpaßte. Die Herstellung der Tafel wurde von vielen Spendern bezahlt.

Die Familie Lindenthal gehörte seit etwa 1800 bis zum Jahr 1945 zu den angesehenen Brünner Familien, die nicht nur in der Geschichte Brünns, sondern auch in der Zeitgeschichte ihren Platz finden.

Gustav Lindenthal, geb. 1850-05-21 in Brünn

Das bekannteste Mitglied dieser Familie ist Dr.-Ing. E. h. Gustav Lindenthal, geboren in Brünn 1850, Ingenieur und weltberühmter Erbauer der größten Stahlbrücken des 19. Jahrhunderts. Sein bedeutendstes Werk ist die Hellgate-Brücke in New York.

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