Warning: gethostbyaddr(): Address is not a valid IPv4 or IPv6 address in /DISK3/WWW/bruenn.org/todesmarsch/weblog.php on line 44 Das Deutsche Brünn und sein Ende

Das Zusammenleben von Tschechen und Deutschen
2. im „Protektorat Böhmen und Mähren“

Durch das „Münchener Abkommen“ wurde die Tschechoslowakei in einen nicht mehr lebensfähigen Rumpfstaat verwandelt. Dieser wurde, unter Bruch des Völkerrechts und des Selbstbestimmungsrechtes des tschechischen Volkes, auf Befehl Hitlers durch die deutsche Wehrmacht besetzt und zum Protektorat erklärt. Die tschechische Zustimmung erreichte er dadurch, daß er den alten Präsidenten der Tschechoslowakei, Hácha, in Berlin solange unter Druck setzte, bis dieser zustimmte. Dadurch, daß sich die Slowakei selbständig machte, wäre der „Reststaat“ doppelt lebensunfähig geblieben.

 (Aufnahme: Nürnberg Doku Center)

Genau so, wie in den abgetrennten Sudetengebieten fürs erste die Freude überwog, den Vorschriften und auch Repressionen eines anderen Volksstammes nicht mehr ausgeliefert zu sein, genau so begrüßte auch die deutsche Bevölkerung des Reststaates „Protektorat“ die „neue Ordnung“.

Die Ernüchterung für die Deutschen kam früh genug, nicht aber für die tschechischen Arbeitslosen. Auch derer gab es genügend, und ihnen wurden reichlich Arbeitsangebote für das Reichsgebiet gemacht. Solche Arbeitsverträge wurden völlig freiwillig abgeschlossen, denn erst ab Anfang 1941 wurde durch eine Verordnung der Protektoratsregierung eine Dienstverpflichtung eingeführt, wie sie für das Reichsgebiet bereits seit 1938 bestand.

Im November 1939 gab es im Reich 85.000 tschechische Arbeitskräfte, im Mai 1940 waren es bereits 120.000. Da die tschechischen „Gastarbeiter“ den deutschen Arbeitern gleichgestellt waren, konnten sie namhafte Lohnanteile in ihre Heimat überweisen, was der Wirtschaft des Protektorates zugute kam. Viele von diesen ließen sich, als 1941 die Dienstpflicht eingeführt wurde, verpflichten und blieben im Reichsgebiet, um der erkennbaren wirtschaftlichen Vorteile nicht verlustig zu gehen. So betrug 1943 die Zahl aller im Reichsgebiet tätigen Tschechen 285.302 Männer und Frauen.

Wie schon erwähnt, wandelte sich die anfängliche Freude bald, da die Einberufung der deutschen Jugend und später auch der älteren Jahrgänge zum Wehrdienst Platz griff (die tschechischen Männer waren von jeder militärischen Tätigkeit freigestellt). Aber auch, weil man von dem rigorosen Vorgehen von SS und Gestapo gegen Teile der tschechischen Bevölkerung, wenn auch nur bruchstückweise, Kenntnis erhielt und den daraus resultierenden Haß der Tschechen spürte. Und schließlich, weil sich der Abtransport der jüdischen Bevölkerung herumsprach, obwohl dieser möglichst unauffällig erfolgte. In der um starke männliche Anteile reduzierten deutschen Bevölkerung fragte sich so mancher oder manche sorgenvoll, wie wird das enden, sollte sich das Blatt wenden.

Ansonsten war das Leben im Protektorat, rein vom Wirtschaftlichen gesehen, relativ sorgenfrei und auch frei von Feindhandlungen. Die ersten Luftangriffe begannen erst Mitte 1944, als das Reichsgebiet – und dazu zählte ja auch das Sudetenland – schon halb in Trümmern lag.

Mit dem Einmarsch der Roten Armee am 26. April 1945 ging das Protektorat zu Ende, damit auch alle deutsche Verwaltungstätigkeit in der Stadt Brünn.

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