Warning: gethostbyaddr(): Address is not a valid IPv4 or IPv6 address in /DISK3/WWW/bruenn.org/todesmarsch/weblog.php on line 44 Das Deutsche Brünn und sein Ende

Das kulturelle Leben in Brünn

Das kulturelle Leben der beiden Volksstämme verlief unterschiedlich. Das der Deutschen war sehr ausgeprägt, sehr mannigfaltig, was sich wohl zum Teil mit der Dominanz des deutschen Elementes bis 1918 sowohl in der Stadtverwaltung wie auch in der Bevölkerung der inneren Stadt erklären läßt. Aber auch die Tschechen verfügten mit ihrem „Besední dum“, ihrem Vereinshaus, das schon lange vor der Errichtung des „Deutschen Hauses“ erbaut worden war, über einen kulturellen Mittelpunkt.

Der Umsturz von 1918 versetzte dem deutschen Kulturleben in Brünn einen schweren Schlag. Die Verfügungsrechte über das deutsche Theater und viele Einflußmöglichkeiten gingen verloren. Der Mäzen des Brünner Kulturlebens, der Initiator und ungekrönte Herrscher des „Deutschen Hauses“, Friedrich Wannieck, zog nach Kärnten.

Aus tschechischer Sicht schreibt Helena Knozová:
„Das kulturelle Leben in der Stadt Brünn konzentrierte sich in den Jahren 1918-1938 auf die Gebiete der bildenden Kunst, der Architektur, der Literatur und des Theaters. In all diesen Sphären wurde innerhalb von zwanzig Jahren ein erstaunliches Niveau erreicht, das das Leben unseres ganzen Staates beträchtlich bereicherte.“

Es gab, zumindest in der Anfangszeit der Republik, auch binationale Kontakte. Neben den offiziellen, von der Stadt, den Vereinen oder von privater Seite geförderten Aktivitäten waren es auch persönliche Beziehungen auf kultureller und wissenschaftlicher Basis, die aber nicht an die große Glocke gehängt wurden, wohl, weil sie auch von den nationalen Auseinandersetzungen überschattet waren.

  Minoritengasse

Die deutsche Kultur der Zwischenkriegszeit verläßlich zu bewerten, fällt schwer, weil die tschechischen „Bilderstürmer“ nach Kriegsende rigoros alles, was nach německy, nach deutsch aussah, vernichteten. Fast alle Archive der verschiedenen Institutionen sind verloren und können nicht mehr eingesehen werden. Die Kunstgegenstände verschwanden. Zu forschen und authentisch zu berichten, ist kaum mehr möglich.

Zwar gab es im deutschen Kulturbürgertum, zu dem man gewiß auch die vorwiegend deutschgesinnten Juden zählen muß, auch Kräfte, die in einer Demokratie Chancen für einen Neuanfang sahen, aber weder Deutsche noch Tschechen hörten hin. Antisemitismus begann sich einzunisten. Auch Professor Dr. Hugo Iltis, der sich in der Deutschen Gesellschaft für Wissenschaft und Kultur (DGWK) für die Bewahrung deutschen Kulturgutes besonders einsetzte, wurde sein Opfer. Trotzdem konnte er die Leitung der im Jahre 1921 von der DGWK gegründeten Volkshochschule übernehmen. Diese konnte 1931 in ein eigenes Gebäude am Janáčekplatz einziehen, das nach einem Entwurf des Architekten Heinrich Blum errichtet worden war.

Ein bedeutender Zusammenschluß von Künstlern, Kunstliebhabern und Mäzenen war auch der „Mährische Kunstverband“ (MK), der sich zu einer beachtenswerten Institution entwickelt hatte. Aber auch diese Vereinigung stützte sich auf die reiche jüdische Oberschicht, die die Möglichkeit hatte, „Geld in Kunst umzuwandeln“, womit sie Brünn zu einem „blühenden Kunstmarkt“ und jede ihre Ausstellungen zu einem gesellschaftlichen Spitzenereignis machte.

  Altbrünnergasse

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