Die städtische Selbstverwaltung
Erst als 1849 der Stadt die territoriale Selbstverwaltung zugestanden wurde, konnten die Bürger ihren Magistrat selbst wählen. Von 1851 bis 1918 standen neun deutsche Bürgermeister an der Spitze der Stadtverwaltung, ihre Verdienste um die Entwicklung der Stadt auf allen Gebieten sind unumstritten, werden auch heute von der jetzt tschechischen Stadtverwaltung, wenn auch zum Teil hinter vorgehaltener Hand, voll anerkannt.
Ein mutiges offenes Bekenntnis allerdings verdient, erwähnt zu werden, nämlich die Wiederherstellung des Denkmales des Bürgermeisters Christian dElvert auf dem Spielberg: Auf seinem Spielberg, könnte man sagen, denn er hatte in großer Weitsicht eine Bepflanzung des bislang kahlen Festungsberges durchgesetzt, womit er eine grüne Lunge mitten in der Stadt schuf. Hergestellt wurde das Denkmal in seiner Originalform, entgegen allem immer noch vorhandenen kommunistisch geschürten Deutschenhaß, mit originaler deutscher Inschrift.
Wie er, so sorgten auch seine Amtskollegen vor und nach ihm, daß den Erfordernissen der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stürmisch verlaufenden industriellen Entwicklung Rechnung getragen wurde. Straßenbeleuchtung und Pflasterung, Versorgung mit Wasser und Gas, später mit Elektrizität, Ausbau des Schulwesens, Förderung kultureller Einrichtungen nichts kam zu kurz. Dabei kamen diese Vorteile allen Bevölkerungsteilen und beiden Volksstämmen, Deutschen und Tschechen, zugute, ungeachtet der damals zunehmenden nationalen Spannungen.
Zu diesen kann man heute aus historischer Sicht anmerken, daß die verfehlte, zögerlich eingeleitete oder ganz unterbliebene Nationalitätenpolitik der k.u.k.-Monarchie die Völkerschaften eher auseinander als zueinander brachte. Gerechterweise muß man hinzufügen, daß vielleicht der panslawistische Druck bereits so stark geworden war, daß man sich diesem nicht glaubte anders erwehren zu können, als durch hinhaltenden, abblockenden Widerstand.
Fassade
eines Brünner Bürgerhauses.
Trotzdem wurde 1905 in Brünn ein zur damaligen Zeit geradezu sensationelles Dokument erarbeitet, das als Mährischer Augleich in die Geschichtsbücher einging. Hier wurde den Belangen beider Volksstämme ausgleichend Rechnung getragen. Leider kamen die Regelungen zu spät und konnten ihre volle Wirkung nicht mehr entfalten.